Montag, 4. Juni 2012

Meetings

Montag, 10 Uhr 25, das kleine Outlook-Vorschaufenster blitzt am unteren rechten Rand des PC-Desktops auf. Den Absender kann ich noch gerade eben erspähen: mein Chef. Da man E-Mails vom Arbeitgeber ja nicht einfach ignorieren kann, öffne ich die E-Mail. Eine Outlookkalender-Terminanfrage. Betreff: "Meeting", Ort: "Beratungsraum I", Heute von: "13.30 bis 16.00 Uhr". Ja, unsere Dienstwege sind kurz und bei uns werden auch spontane – sehr spontane – Meetings einberufen. Leider.
Nun gut, denk ich mir, da musst du jetzt mal durch. Wird schon was wichtiges sein, dass man nicht einfach mit einem erfundenem Kundentermin abwiegeln kann. Es war nicht wichtig. Es ging um Arbeitseinsparung, Firmenstruktur und Ausrichtungen. Den üblichen Mist.
Man merkt vielleicht schon, ich bin kein Freund von Meetings. Wer ist das überhaupt?! Vielleicht arbeite ich auch einfach nur zu lange in dieser Firma, dass ich einfach nur keine Meetings dieser Firma mag. Ich weiss es nicht. Aber mit einem modernen Brainstorming, einem offenem Gespräch hat das nie was zu tun. Klar, sag jeder seine Meinung, aber der Hauptteil der Zeit geht für das ausschweifende hohle Gerede des Chefs drauf. Die Zeit kann man sicher auch besser verbringen, denk ich mir und fummel mit dem iPhone rum, Facebook, Twitter, Instagram, schließlich muss Social Media ja immer gepflegt werden. Naja, man kann es auch Ablenkung nennen. Zum Glück ist der Chef so in seiner Rede-Phantasiewelt, dass er kein Stück mit bekommt, was ich eigentlich treibe. Ich denke darüber nach, ob ich jetzt auch schlafen könnte, und er das auch nicht bemerken würde; gehe im Kopf meine Einkaufsliste durch. Das ist alles schon sehr langweilig und -wierig.
Da muss ich jetzt mal durch.

Meetings sind an sich ja eine tolle Sache, schliesslich muss man sich in einem modernen Unternehmen ja auch kurzschliessen und Probleme bereden und beraten. Zum Beispiel finde ich Meetings / Termine mit Externen ziemlich gut; über das Projekt reden, dann ein bisschen Privates, dann wieder über das Projekt beraten, dabei Kaffee trinken und ganz ohne schlechtes Gewissen dem Gegenüber nicht zuhören. Eine ziemlich runde Sache.
Aber dieses Top-Down-Geschwaffel von meinem Arbeitgeber ist schon sehr 1995. Zum Glück ist es wenigstens so modern, dass wir als Mitarbeiter auch unsere Meinung sagen können, wenn wir denn da zwischen kommen. Leider meint mein Chef, dass er die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Er kennt er seine Prachtrößer und seine Gäule ganz genau. Nun muss er – in einem Meeting – beide Sorten Mitarbeiter erreichen; dies macht er, indem er einfach alle für dumm und begriffsstutzig hält.
Dass ist sehr ermüdend und braucht Zeit. Zeit die man nur allzu gerne mit Projekten verbringen möchte, man möchte ja arbeiten. Nur möchte man nicht den Arbeitstag mit Reden des Arbeitgebers in Kindergärtner-Sprech verplempern.
Wenn man seine Meinung zu einem Thema kundtut, von der man genau weiß, dass sie nur mehr als richtig ist, dann kann man ihn auch des Öfteren aus dem Konzept bringen. Man sieht ihm an, dass er weiss, das ich recht habe und er unrecht, man hört es auch. Seine Stimme wird weniger bestimmend, wenig überzeugend, leiser.
Das hat schon was Witziges. Irgendwie. Eine Art Triumph empfinde ich dann zwar nicht, aber irgendwie kann man ihn dadurch sehr gut dämpfen und die ganze Sache dadurch auch verkürzen.

Manchmal denke ich, wenns wieder schlimm ist, an die Sparkassenwerbung mit Lohmann und dem Kuchen. Ähnlichkeit haben beide Szenarien – irgendwie.

Alles in Allem, frage ich mich also oft: besprechen wir, die arbeitende Gesellschaft, uns zu oft? Sollten wir eventuell einfach wenig reden und einfach machen? Rückfragen einfach per kurzes internes Telefonat oder per E-Mail rücksprechen und den Hauptteil der Arbeit einfach nach einer Art Linie, nach einem Konzept erledigen, ohne ständig diese Linie wieder zu besprechen, zu unterstreichen oder zu revidieren.

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