Gestern sah ich durch Zufall ein Youtube-Video aus dem Jahre 2005. Es war die Berliner Runde nach dem Wahlabend der Bundestagswahl. Zugegen waren Gerhard Schröder (damals Bundeskanzler), Joschka Fischer (damals Außenminister) und Angela Merkel (CDU), Edmund Stoiber (CSU) und zu guterletzt Guido Westerwelle (FDP).
Vielleicht kommt Ihnen diese Farce noch bekannt vor: dem Bundeskanzler, dem an diesem Abend eigentlich klar hätte sein müssen, dass er dieses Amt nicht mehr lange trägt, war es nicht klar. Er erzählte der Elefantenrunde, dass er ganz sicher die neue Regierung führen werde; und dies mit meinem Koalitionspartner, den er nicht nennen konnte. Dieses Schauspiel hatte was Irres. Wäre dieser Gerhard Schröder nicht so sehr von sich selbst überzeugt, dann hätte man glatt Mitleid empfunden.
Fakt ist aber auch, dass es für keine Partei an diesem Abend wirklich gut aussah.
Was wohl an diesem Abend Guido Westerwelle gedacht haben muss? Soviel Macht. Soviel Wichtigkeit. Nun gut, das es anders kommen sollte, wusste man an diesem Abend noch nicht. Aber trotz alledem hatte die FDP damals noch die Wichtigkeit, von der sie heute nur noch fieberträumen kann. Die FDP – ein ständige Berg-und-Talfahrt.
Sicherlich geht es so allen Parteien, aber in diesem Ausmaß ist es schon schwierig mit anzusehen, wie sich das gute und wichtige Konzept des Wirtschaftsliberalismuses kaputt quält.
Ich bin eigentlich ein Freund der FDP. Nun ja, eigentlich ja eher des Konzeptes, die Partei ist mir da schon eher so seltsam. Zeitweise. Aber ich finde es wichtig für eine Industrienation, dass es eine Partei gibt, die sich für die Unternehmen einsetzt.
Meine Utopie eines breiterem politischem Spektrums im Bundestag, wird sich wohl nicht erfüllen, gerade deswegen finde ich die momentane desaströse Situation der FDP auch so schlimm. Ich möchte, dass mindestens drei große Volksparteien im Bundestag vertreten sind – gerne auch vier. Zweiparteiensysteme fördern nur den Opportunismus. Und es ergibt sich ein 'Einheitsbrei'.
Schade, dass es die FDP im Moment nicht zu einer Wichtigkeit und einer Macht schafft – gerade jetzt, wo sie doch in der Regierung vertreten sind.
Liegt es an der Führung? Herr Rösler ist bemüht. Aber ich denke, dass Westerwelle doch mehr dieser positive Kontrollfreak war. Diese Art Mensch, die man auch in vielen Familienbetrieben sieht: der Seniorchef, der noch mit 65 Jahren über jede Kleinigkeit penibel bescheid wissen will, und nicht auf die Idee kommt, die Strippen voll abzugeben. Zwar ist dieses Verhalten in vielen Unternehmen schon lästig und manchmal auch rückständig, aber oft ist gerade durch dieses persönliche Arrangement vieles wirtschaftlicher.
Wann sieht man Rösler? Wann meldet er sich zu Wort? Wann macht er Schlagzeilen? Da war die FDP unter Westerwelle präsenter vertreten. Westerwelle war auch ein Mann der stärker polarisierte.
Aber vielleicht ist es noch nicht mal die Führung.
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