Mittwoch, 12. September 2012

Populismus, Bukowski und RFK

Durch Umwege bin ich auf Henry Charles Bukowski gestossen. Ich fand seine Zitate lustig und dachte mir, ›über den musst du mehr lesen‹. Ich besorgte mir also »Aufzeichnungen eines Außenseiters«. Eine Zusammenstellung seiner Kolumnen – manchmal autobiografisch, manchmal romanartig. (sehr zu empfehlen).

Auf Seite 45 wurde es – und das kommt nicht oft bei Bukowski vor – politisch. Der Author leitet sein Essay selbst mit der Begründung zu diesem Schritt ein. Kein Problem – politisch ist gut (so erfährt man auch gleich was zu seiner Gesinnung). Anlass war die Ermordung Robert Kennedys. Dort nun zitiert Bukowski über einen Sportjournalisten, der diese Ermordung ebenfalls behandelte. Bukowski ließ sich in dieser, seiner Kolumne über die boulevardeske Schreibart des Sportjournalisten aus.

Dieser Text hat mich zu diesem Blogeintrag gebracht; denn ich merkte mal wieder, dass ich Populismus hasse. Ich meine in diesem Fall nicht nur die dort zitierten Textstellen des Sportjournalisten, sondern auch das Geschreibsel Bukowskis.
Ich denke, dass ich wohl aus rechtlichen Gründen hier nicht so eine große Textstelle aus dem Buch – zum besseren Verständnis – verwenden darf.

Ich mag ihn nicht, diesen reaktionären, reißerischen Populismus. Der Schreiber, Sprecher (oder wie auch immer), löst dadurch bei mir nur Antipartie aus. Für wie blöd hält mich denn ein (z. B.) Politiker, der mir in einer Polit-Talkshow mit seiner reaktionären populistischen Pampe kommt? Ganz klar: Problem ansprechen, sagen wie er oder sie es lösen will und gut ist es.

Aber das reicht ja nicht, dann muss ja erst noch die Gesellschaft für verroht und verkorkst erklärt werden und man muss ja auch unbedingt vorher noch die Lösungsvorschläge anderer Parteien schlechtreden und sowieso sind die Anderen schuld. Irgendeiner muss ja schuld sein. Kennen wir Deutsche das nicht irgendwo her?

Meinung, Meinung, Meinung, ich kann es nicht mehr hören! Ich will es nicht mehr hören. Alles wird einem vorserviert, als wenn wir alle noch im dunkelsten Mittelalter leben würden, und nicht lesen könnten. Danke – ich bilde mir meine eigene Meinung. Heutzutage nur ein Mausklick entfernt: die Meinungslose Datenflut. Nach genügend Input, bildet man sich selbst eine.

Mich wundert immer wieder, wie die Menschheit doch noch so smart sein kann, nach diesem ganzen Flut an vorgesetzter Boulevard-Meinungsmache. Wenn ich mit Menschen rede und sie mir ihre Einstellung zu dem oder jenem Thema sagen, bin ich auch schon mal so direkt, und fragte sie, ob sie die BILD-Zeitung lesen, oder woher sie diese ach-so-tolle Information haben. Wenn man dann mit ›ungeschönten‹ Fakten kommt, wird man scheel angeguckt und bekommt keine Antwort mehr.
Viele schenken dieser vorgetrimmten Sülze zu viel Glauben und Anerkennung.
Es gibt Intellektuelle, die täglich besagte Zeitung lese, aber diese – und das ist der Unterschied – glauben nicht an den ganzen Scheiß, legen die Zeitung weg und vergessen mit einem Lächeln das meiste.
Dort liegt vielleicht auch das Problem: man kommt durch mit Populismus. Es wird einem wie geschnitten Brot abgekauft und – auch hilfreich – die Herstellungskosten für dieses Brot sind gering. Nich viele Synapsen müssen befeuert werden. Hat man sich erstmal das ultimative Schema zurecht gelegt, ist es ganz einfach, man tauscht einfach nur die sog. W's aus und schon hat man's: die Brandbeschleuniger-Meinung, befeuert garantiert jede extreme Meinung. Diese kann man dann auch noch wie beim Discounter einfach verpacken, man muss sich noch nicht mal verschachtelte Sätze und linguistische Zungenbrecher zurechtschustern, Nein!, es reicht, einfach Schlagwörter zu verwenden, noch einfacher ist natürlich die Verwendung von Spiegelstrichen, dann kann man noch weniger Text verwenden. Weniger Text bedeutet, man kann diesen größer skalieren – das sticht mehr ins Auge oder eben ins Ohr. Clever die Burschen.
Der Mensch will sich aufregen, er will kopfschüttelnd an einem schönen sonnigen Sonntagmorgen beim Bäcker sagen wollen »Guck Magarete! Der bin Laden hat sich selbst umgebracht!«. Wieso auch freuen, dass der Tag schön ist? Wieso noch den Text darunter lesen? Wieso den ganzen Text auch anzweifeln?

Ich halte es für meinen Teil immer so: Variante #1: das Thema interessiert mich nicht, also will ich damit auch nichts zu tun haben und auch nicht wissen, wie Herr Meier es doch findet;
Variante #2: das Thema interessiert mich, also hör ich mir das Gelalle an, suche schnell im Internet nach den eisenharten Fakten, bilde mir selbst eine Meinung und Punkt. Soweit kommt das noch, dass ich wie ein Papagei den reißerischen zu groß geratenen Lettern einer Tageszeitung an den Lippen hänge. Dann kann ich ja gleich den Denkapparat ausschalten und opportunistisch alles nachplappern.
Interessant wäre es, was passieren würde, wenn das größte Boulevard-Medium seine Blattlinie, seine politische Gesinnung jede 3 Jahre ändern würde. Würden dann die Menschen alle 3 Jahre anders denken? Ich befürchte Ja.